Neues von Kellermanns

Uraufführung

  • Autor: Ursula Haucke
  • Regie: Tadeusz Galia
  • Bühne: Tadeusz Galia
  • Premiere: September 2018
  • Es spielen: Jutta Ziemke und Tadeusz Galia

Ursula Haucke serviert nach ihrem legendären "Frühstück bei Kellermanns" eine weitere Portion klug beobachtetes und treffend witzig beschriebenes Eheleben und lädt in "Neues von Kellermanns" zu einem Wiedersehen mit Lotte und Rudi Kellermann ein.
Die ra(s)tlos besorgten Eltern von damals sind mittlerweile zu gelasseneren Großeltern geworden und stehen kurz davor mit der Goldenen Hochzeit ihr fünfzigjähriges Eheleben zu feiern. Und das ist, wie sollte es bei den zwei liebenswerten Streithähnen anders sein, kein bisschen langweilig geworden. Mit einem riesigen Karton Fotos werden die Erinnerungen der vergangen Jahre ins Leben gerufen. Die Kinder sind längst flügge und die Kellermanns haben turbulente Zeiten hinter sich gebracht. Mit amüsant liebevoller Schlagfertigkeit werfen die beiden einen Blick zurück, der aber schnell von aktuellen Turbulenzen unterbrochen wird. Mysteriöse Anrufe lassen Heimlichkeiten der Eheleute vermuten. Was deutet Lotte damit an, dass sich ihr Rudi bald mit Erbsensuppe selbst versorgen muss, und warum verlangt ein Anwalt nach Herrn Kellermann? Das erste Rätsel löst sich bald. Lotte muss wegen einer Leisten-OP einen Krankenhausaufenthalt hinter sich bringen und macht Rudi so zum Strohwitwer. Doch die Entbehrung ist nur von kurzer Dauer. Lotte kehrt wohlauf zurück und die Goldene Hochzeit kann beschwingt gefeiert werden. Doch eine Sache macht Lotte trotz geglückter OP noch Bauchschmerzen: Die Mietwohnungen im Haus sollen in Eigentumsobjekte umgesetzt werden. Ein Auszug aus der alteingesessen Wohnung scheint unvorstellbar, doch das Ersparte reicht nicht zum Kauf - soweit Lotte weiß. Und da bleibt ja noch die Frage, was dieser Anwalt bloß von Rudi Kellermann will ...
Die Figuren Hauckes haben auch 27 Jahren nach der Uraufführung von "Frühstück bei Kellermanns" im Jahr 1982 nichts an Spritzigkeit und Authentizität verloren. Wie damals werden wir zu Beobachtern von Szenen einer Ehe, die aus dem Leben gegriffen zu sein scheinen und dazu mit einer großherzigen Portion Humor und Ironie versehen sind.

Ein ganz gewöhnlicher Jude

  • Autor: Charles Lewinksy
  • Regie: Tadeusz Galia
  • Bühne: Tadeusz Galia
  • Premiere: Dezember 2018
  • Es spielt: Astrit Geci

„Wir behandeln im Sozialkundeunterricht gerade die Juden“, schreibt ein gutmeinender Lehrer an die jüdische Gemeinde. „Nur kenne ich leider keinen Juden persönlich, und deshalb wäre es nett, wenn Sie mir einen vorbeischicken könnten, der den Schülern was erzählt.“ Dieser Brief – so, oder so ähnlich, wird er in Deutschland jede Woche ein paar Mal geschrieben – erreicht den Journalisten Emanuel Goldfarb. Für ihn ist es klar, dass er der Einladung keine Folge leisten wird; er hat keine Lust, sich von einer Schulklasse bestaunen zu lassen wie ein selten gewordenes Spitzmaulnashorn.
Der Versuch, seine Absage nicht nur zu formulieren, sondern auch zu begründen, gerät ihm zur Generalabrechnung mit der Situation des Juden im Nachkriegsdeutschland. Wortreich, pointiert und manchmal zynisch beschreibt er das Spannungsfeld zwischen altem Antisemitismus und neuer politischer Korrektheit und kritisiert das Wiedergutmachungsritual der permanenten öffentlichen Vergangenheitsbewältigung, die für ihn wieder nur eine Sonderrolle bereit hält: die des wortreich bedauerten Opfers.
Und dabei möchte Emanuel Goldfarb doch nichts lieber sein als ein ganz gewöhnlicher Deutscher. Ein ganz gewöhnlicher Jude.
Der pointierte Monolog – Beichte ebenso wie Brandrede – schlägt den Bogen auch zum Privaten. Aus seiner eigenen Biografie, der gescheiterten Ehe mit einer Katholikin und der problematischen Beziehung zum gemeinsamen Sohn, leitet Goldfarb die Unmöglichkeit ab, die durch eigene Tradition ebenso wie durch fremde Vorurteile festgelegte Rolle abzustreifen. „Zuviel Geschichte“, resigniert er. „Das ist das jüdische Problem.“
Ob er die Einladung zu einem Schulbesuch schließlich doch annehmen wird, bleibt offen. Vielleicht lässt sich ja wenigstens der nächsten Generation vermitteln, dass es an ihr liegt, ob es in Deutschland je wieder einen ganz gewöhnlichen Juden geben kann. Denn das ist sein Fazit: „Antisemiten würgen, Philosemiten umarmen. Und bei beiden bleibt mir die Luft weg.“

Tod sind wir nicht

  • Autor: Svenja Viola Bungarten
  • Regie: Tadeusz Galia
  • Bühne: Tadeusz Galia
  • Premiere: Januar/Februar 2019
  • Es spielen: Jutta Ziemke, Frauke Bosch, Bettina Reuter, Astrit Geci, Tadeusz Galia

In Svenja Viola Bungartens Debütstück geht es um Leben und Tod. Da sind Beate und Ute K., zwei ältere Frauen, die raus wollen aus ihrem Leben. Das Ziel ist Okinawa, wo die Menschen uralt werden. Dazu dealen sie nachts mit Medikamenten. Doch den Liebenden macht der Tod einen Strich durch die Rechnung. Denn gerade jetzt muss Willi, Ute K.s Ehemann, in seinen Sessel verdunsten und mit der Beerdigung ein Loch in die ohnehin bescheidene Reisekasse schlagen. Ein neuer Plan muss her, und Willi so schnell es geht unter die Erde. Da sind Piotr Nagel und sein Neffe Jason, Bestatter, denen die Finanzkrise einen Bestattungsstau eingebrockt hat, und die kurz vor dem Ruin stehen. Doch was Jason für die rettende Idee hält, könnte für Piotr erst recht der Untergang sein. Und dann ist da noch Franka. Ein Schatten, ein Geist, die Zukunft. Rauchend steht sie in ihrem Kühlhaus und wartet auf Kunden, ihr Slogan: Sterben war gestern, gefroren wird morgen.
In Sehnsüchten gefangen, die größer sind als sie selbst, suchen die Figuren im Ende einen Anfang und finden sich doch nur in dunklen Straßen und zugigen Leichenhallen wieder. Mit absurden Dialogen und aberwitzigen Situationen befragt das Stück den Umgang mit dem Tod in einer Gesellschaft, die sich unsterblich wähnt. "TOT SIND WIR NICHT": ein Aufbegehren gegen das Altern, die Armut und die eigene Endlichkeit.

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